Die Wahrheit ist: Keine andere Branche ist so strengen Regeln unterworfen und muss in Verbindung mit ihren Mitarbeitern so viele von diesen befolgen. Es gibt sogar ein eigenes Gesetz für die Zeitarbeit – das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz.
Dieses Arbeitnehmerüberlassungsgesetz – kurz AÜG – legt neben anderen Gesetzen und Richtlinien die Rahmenbedingungen für die gewerbsmäßige Überlassung von Arbeitnehmern (Zeitarbeit) fest. Es legt somit die „Spielregeln“ für das Dreiecksverhältnis Zeitarbeitsunternehmen, Mitarbeiter und Kundenunternehmen fest. Dieses Gesetz das unsere tägliche Arbeit begleitet und regelt, möchten wir Ihnen im Folgenden gerne näher bringen.
Das AÜG, geschlossen bereits am 7. August 1972, diente ursprünglich lediglich der sozialen Absicherung der Arbeitnehmer – sprich, es sollte sie vor Schaden bewahren. Heutzutage enthält es Rechte und Pflichten aller Parteien bei der gewerbsmäßigen Überlassung von Arbeitnehmern. Unter dem Begriff der gewerbsmäßigen Überlassung von Arbeitnehmern versteht man heutzutage, die „vorrübergehende Arbeitnehmerüberlassung im Rahmen einer wirtschaftlichen Tätigkeit“ (1.1.3 AÜG – Seite 9). Dies bedeutet, dass jedes Unternehmen, das einem anderen Unternehmen Arbeitskraft in Form seiner eigenen Mitarbeiter zur Verfügung stellt, gewerbsmäßige Überlassung von Arbeitnehmern betreibt und somit einer speziellen Erlaubnis bedarf. Diese kann lediglich die Bundesagentur für Arbeit ausstellen.
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz regelt außerdem, dass Überlassungen nur in einem Dreiecksverhältnis abgewickelt werden dürfen – zwischen dem Verleiher, dem Entleiher sowie dem zu verleihenden Arbeitnehmer. Wobei die Parteien untereinander jeweils einzelne Verträge abschließen. Das Zeitarbeitsunternehmen (Verleiher) sowie der Einsatzbetrieb (Entleiher/ Kunde) schließen einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag. Des Weiteren schließt das Zeitarbeitsunternehmen mit seinem Mitarbeiter, dem Zeitarbeitnehmer einen Arbeitsvertrag. Somit ist das Zeitarbeitsunternehmen der Arbeitgeber und entleiht seinen Mitarbeiter für einen gewissen Zeitraum an das Kundenunternehmen.

Was das AÜG sonst noch alles regelt:

  • Das Aufsetzen eines schriftlichen Arbeitsvertrages, der die Rechte des Arbeitnehmers eindeutig festlegt.
  • Die Pflicht des Zeitarbeitsunternehmens in den Verträgen mit seinen Kunden (Arbeitnehmerüberlassungsvertrag) sowie seinen Mitarbeitern (Arbeitsvertrag), anzugeben, dass es über ein Zertifikat zur gewerbsmäßigen Überlassung verfügt und wo dieses ausgestellt wurde.
  • Generelle Regelungen über die Inhalte von Arbeitnehmerüberlassungs- sowie Arbeitsverträgen – wie zum Beispiel die Höhe des Arbeitsentgeltes, den Einsatzort sowie die Beschreibung des vom Arbeitnehmer zu leistenden Tätigkeiten (§11 AÜG)
  • Allgemeine Informationspflichten von Entleiher (Kundenunternehmen) und Verleiher (Zeitarbeitsunternehmen): So muss der Verleiher beispielsweise den Entleiher über den Wegfall der Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung unterrichten bzw. ihn darauf hinweisen (§12 Satz 5 AÜG).

Das AÜG bildet nicht nur den rechtlichen Rahmen für unsere tägliche Arbeit, in Bezug auf Rechte und Pflichten aus einem Arbeitsverhältnis, es ist für uns als Zusatz zum deutschlandweit geltenden Arbeitsrecht zu verstehen. Somit verfügt ein Zeitarbeitnehmer nicht nur über die gleichen Rechte wie jeder andere Arbeitnehmer auch – er verfügt sogar auf Grund des AÜG sowie weiterer spezieller Vorschriften für die Zeitarbeitsbranche über ein besseres rechtliches „Schutzschild“.
Durch das AÜG sind lediglich Dinge geregelt, die auf die außergewöhnliche Konstellation im Dreiecksverhältnis zurück zu führen sind. Dies umfasst natürlich auch die Rechte des Arbeitgebers – also der Zeitarbeitsfirma. So ist in unserem Fall der Arbeitnehmer beispielsweise verpflichtet seine Arbeitsleistung, die er prinzipiell seinem Arbeitgeber schuldet, dem Verleiher zur Verfügung zu stellen.
Auch die Einhaltung dieser speziellen Gesetze für die Zeitarbeit wird in Deutschland streng überprüft. Zuständig dafür sind Behörden – wie beispielsweise der Zoll – die Zeitarbeitsunternehmen in regelmäßigen Abständen überprüfen. Sollten nun bei einem Unternehmen Unregelmäßigkeiten festgestellt werden, kann dies sogar zum Entzug der Erlaubnis führen.
Wenn Sie sich für den genauen Inhalt dieses Gesetzes interessieren, können Sie dieses gerne von der Seite der Bundesagentur für Arbeitdownloaden.
 
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Bild: R K by Guedo – pixelio.de

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