Konflikte unter Kollegen – furchtbar oder fruchtbar?
Konflikte unter Kollegen – furchtbar oder fruchtbar?

Denn die meisten Arbeitnehmer ignorieren drohende Konflikte so lange wie möglich und hoffen, dass sich alles von selbst wieder einrenkt. Eine Vogel-Strauß-Taktik, die meist nur zur Verhärtung der Fronten und zur Eskalation der Lage führt. Und schwelende Konflikte, die nicht ausgetragen werden, können auf Dauer sogar zu ernsthaften psychischen oder physischen Erkrankungen führen. Die effektive Zusammenarbeit ist bei dieser Verdrängungstaktik dann schon lange auf der Strecke geblieben.
Dabei können Konflikte unter Kollegen sich durchaus positiv auf das Betriebsklima und die eigene Karriere auswirken, wenn beide Seiten die nötige Konfliktfähigkeit mitbringen. Denn grundsätzlich bringt Streiten die Beteiligten dazu, sich über ihre eigenen Ziele klarer zu werden. Und nur wer seinen Willen ausspricht, kann ihn durchsetzen. Die Grundregel lautet also: sich den eigenen und fremden Standpunkt genau verdeutlichen und dann den Konflikt direkt ansprechen, dem Gegenüber gut zuhören, mögliche Lösungen sammeln und sich einigen, wer was genau zum Konsens beitragen soll. Werden Konflikte so konstruktiv ausgetragen, profitieren die Beteiligten davon ebenso, wie das Betriebsklima und der Arbeitgeber.
Kritisieren erwünscht – aber richtig.
Besonders viele Konflikte im Berufsleben entzünden sich an falsch formulierter oder falsch verstandener Kritik. Wer richtig kritisieren möchte, sollte sich an den Regeln orientieren, die der Diplom-Pädagoge Peter Höher vom HOEHER! TEAM aufgestellt hat*:
Kritisieren Sie sachbezogen – Kritik in der Sache ist in vielen Fällen akzeptiert

  • Trennen Sie die Kritik an der Sache von der Kritik an der Person
  • Konkretisieren Sie ihre Kritik. Was gemeint ist, spielt eine Rolle
  • Übertreiben oder generalisieren Sie nicht
  • Führen Sie dem Gesprächspartner den gewünschten Zielzustand vor Augen
  • Regulieren Sie Ihre Gefühlsäußerungen

Kritisieren Sie respektvoll – Achten Sie die Persönlichkeit des Kritisierten, vermeiden Sie Verletzungen

  • Kritisieren Sie unter „vier Augen“, nicht vor anderen
  • Generalisieren Sie nicht, stellen Sie Positives heraus
  • Ermöglichen Sie dem anderen individuelle Sichtweisen und Kommentare

Kritisieren Sie zielführend – Geben Sie dem anderen Freiraum zur Selbsterkenntnis

  • Analysieren Sie gemeinsam die Fehlerquellen
  • Durchdenken Sie gemeinsam die Gefahrenpotenziale für weitere Fehler
  • Überlassen Sie Ihrem Gesprächspartner hierbei die Initiative

Kritisieren Sie ermutigend – Stärkende Kritik spornt die Leistungsbereitschaft an

  • Schenken Sie Ihrem gegenüber Vertrauen
  • Gehen Sie nach einem Kritikgespräch positiv auseinander
  • Denken Sie positiv: Unterstellen Sie, dass Ihr Gegenüber Interesse daran hat, sein Verhalten zu korrigieren und Fehler zu beseitigen

Wenn diese Regeln eingehalten werden, sollten größere Reibereien erst gar nicht entstehen. Und falls es doch zu einem Konflikt kommt, der sich zwischen den Parteien nicht einvernehmlich lösen lässt, suchen Sie sich am besten einen neutralen Konfliktmanager im Unternehmen.

Quelle: Peter Höher/Friederike Höher, Konflikt-Management: Konflikte kompetent erkennen und lösen. EHP – Edition Humanistische Psychologie, Bergisch Gadbach, Hg. Von Andreas Kohlhage, überarbeitete Neuausgabe, 2004
Bild: © antipathique / Fotolia.com

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