Serie: Teil 2 - Recht und Zeitarbeit – Was sagt das Recht zu der Zeitarbeit?
Serie: Teil 2 – Recht und Zeitarbeit – Was sagt das Recht zu der Zeitarbeit?

Dazu haben wir den Experten und Fachanwalt für Arbeitsrecht Herrn Dr. Schild gebeten uns ein paar Fragen zu dem Thema zu beantworten.
Herr Dr. Schild ist seit über fünfzehn Jahren als Rechtsanwalt auf dem Gebiet des Arbeitsrechts tätig und seit 2003 Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er hat langjährige und fundierte Erfahrung in allen Bereichen des Arbeitsrechts und insbesondere auch im Recht der Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit). Zudem ist er Dozent bei der Wirtschafts- und Verwaltungsakademie Ostbayern e.V. sowie Lehrbeauftragter der Steinbeis-Hochschule in Berlin. Sein Sitz ist in Regensburg in derKanzlei Schild, Zeller, Winkler & Kollegen.Teil 1– Ist Zeitarbeit nicht illegale Beschäftigung bei unfairer Bezahlung? Also moderne Sklaverei? – wurde letzte Woche beantwortet. Jetzt kommen wir zu unserer zweiten Frage:
 
2.         Haben Zeitarbeitnehmer Rechte?

Antwort:

Selbstverständlich haben Zeitarbeitnehmer Rechte. Sie haben die gleichen Rechte wie alle anderen Arbeitnehmer auch. Sämtliche Arbeitnehmerschutzgesetze, wie z.B. das Kündigungsschutzgesetz, das Urlaubsgesetz, das Entgeltfortzahlungsgesetz, unterscheiden nicht zwischen Zeitarbeit und anderer Arbeit. Im Gegenteil, Zeitarbeitnehmer haben nach der Konzeption des gesetzlichen Kündigungsschutzes sogar oftmals eine bessere Position als unternehmenseigene Mitarbeiter, da deren Arbeitsplatz nicht so leicht wegfallen kann. Das Zeitarbeitsunternehmen ist verpflichtet, nach anderen Einsatzmöglichkeiten zu suchen. Umgekehrt kann jeder Zeitarbeitnehmer das Arbeitsverhältnis von sich aus kündigen unter Einhaltung der arbeitsvertraglichen oder tariflichen Kündigungsfrist, wenn er sich von einem Arbeitgeberwechsel Vorteile erhofft. Das AÜG gibt den Zeitarbeitnehmern sogar Rechte, die andere Mitarbeiter nicht haben.
Für bestimmte Branchen sind im Zeitraum November 2012 bis April 2013 Branchenzuschlagstarifverträge in Kraft getreten.
Derzeit gibt es 9 solche Tarifverträge für folgende Branchen:

  1. Metall- und Elektroindustrie,
  2. Chemischen Industrie,
  3. Kunststoff verarbeitenden Industrie,
  4. Textil- und Bekleidungsindustrie,
  5. Schienenverkehrsbereich,
  6. Papier-, Pappe-, und Kunststoffe verarbeitende Industrie,
  7. Kautschukindustrie,
  8. Druckindustrie (gewerblich),
  9. Holz- und Kunstoff verarbeitende Industrie.

Diese funktionieren im Prinzip gleich. Sie sehen eine Erhöhung der normalen tariflichen Vergütung vor, je länger Zeitarbeitnehmer im Kundenbetrieb, der in den Geltungsbereich des Branchenzuschlagstarifvertrag fallen muss, beschäftigt werden. So wird z.B. bei einer Beschäftigungsdauer im Bereich der Metall- und Elektroindustrie von länger als neun Monaten ein Branchenzuschlag in Höhe von 50 % der tariflichen Vergütung bezahlt. Ein Mitarbeiter der Entgeltgruppe 3 erhält dann beispielsweise derzeit einen Stundenlohn in Höhe von ……… € brutto.
Vielen Dank an Herrn Dr. Schild für die ausführliche Antwort. Die nächste Frage beantwortet uns Herr Dr. Schild nächste Woche.
 
Verfasser: Dr. Christian Schild, Alexandra Fiedler


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Bild: zeitconcept

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