TABU-THEMA: Boreout – Langeweile im Büro
TABU-THEMA: Boreout – Langeweile im Büro

Das Problem nennen Philippe Rothlin und Peter R. Werder* Boreout. Boreout ist das Gegenteil von Burnout. Die Geschädigten leiden an Unterforderung, Langeweile und/oder Desinteresse. Genauer beschreiben die Herren die Auswirkungen wie folgt:

  • Unterforderung: Sie beschreibt das Gefühl, mehr leisten zu können, als was von einem gefordert wird.
  • Langeweile: Hier geht es um Lustlosigkeit und Ratlosigkeit, weil man nicht weiß, was man tun soll.
  • Desinteresse: Beim Desinteresse steht die fehlende Identifikation mit der Arbeit im Vordergrund.

Der Mitarbeiter will mehr arbeiten, kann mehr leisten, wird aber von seinem Arbeitgeber  ausgebremst und weiß sich keinen Rat mehr. Klar das kein Chef, dass mit voller Absicht macht. Trotzdem sind nach einer Studie des Bundesarbeitsministerium 60 % der bis 30 jährigen in Deutschland unterfordert, wie dieSüddeutsche Zeitung schreibt.
Dass das geschäftsschädigend ist, muss man niemandem vorrechnen. Entstehen kann ein Boreout zum Beispiel dadurch, dass die Aufgaben an den Mitarbeiter nicht klar definiert sind, es keine oder nur eine unzureichende Stellenbeschreibung gibt, der Chef selbst alle interessanten Projekte an sich reißt, keine Zeit für einen hat und/oder er kein oder wenig Feedback gibt.
Dazu kommt, dass Boreout ein Tabu-Thema ist. Wer gibt den schon gerne zu, dass seine  Arbeit langweilig ist und er eigentlich den ganzen Tag nichts zu tun hat? Die Leute würden wahrscheinlich nur den Kopf schütteln und die Kündigung hat man auch so gut wie in der Tasche. Also werden Strategien entwickelt, um möglichst lange unentdeckt zu bleiben. Projekte werden unnötig verlängert, eine Präsentation ist geöffnet, während Sudoku gespielt wird. Der Kollege, den man für das Projekt benötigt, wird dann angerufen, wenn er in einem Termin ist oder es wird der Konferenzraum gebucht, obwohl er für keinen Termin genutzt wird. Man steckt also in einem Teufelskreis. Auf der einen Seite möchte man mehr arbeiten, auf der anderen Seite darf man bloß nichts sagen. Wenn der Chef die Misere nicht sieht, muss man selbst aktiv werden. Folgende Strategien können dabei helfen:

  • Stellenbeschreibung einholen: Detaillierte und möglichst genau beschriebene Stellenbeschreibung einholen; am besten diese auch noch mal mit dem Chef besprechen und hinterfragen, was genau mit den einzelnen Punkten gemeint ist.
  • Augen offen halten und sich neue Tätigkeitsfelder überlegen: Wo kann ich mich mehr einbringen? Wie kann ich mich weiterentwickeln? Welche Möglichkeiten stehen mir offen?
  •  Den Chef mit ins Boot holen: Den Chef kann man geschickt über die freie Zeit informieren, indem man ihm sagt, dass man seinen Aufgabenbereich vergrößern und/oder sich in eine bestimmte Richtung weiterentwickeln möchte. Man signalisiert dadurch Interesse an der Arbeit und der persönlichen Weiterentwicklung.
  • Projekte übernehmen: Einfach mal selbst die Initiative ergreifen und sich als Erster für ein Projekt melden. Hier hat man die Möglichkeit zu zeigen, was man kann. Jedoch sollte man aufpassen sich nicht zu übernehmen und seine Fertigkeiten richtig einschätzen.
  • Kollegen unterstützen: Damit erntet man sicherlich Sympathie bei den Kollegen. Jedoch sollte man hier Fingerspitzen-Gefühl bewahren, nicht das der eine oder andere Kollege seine Arbeit bei einem abwälzt, jedoch selbst die Lorbeeren dafür einheimst.

Weitere Artikel und Infos zum Thema Boreout gibt es imInternet u. a. auch eineeigene WebsitesowieBücher zum kaufen.
* Philippe Rothlin und Peter R. Werder sind Unternehmensberater und Autoren von dem Buch „Der Boreout“. Sie haben eine Internetseite mit weiteren Infos zu Boreout gegründet:https://www.boreout.com/  
Bild: © Klaus Eppele – Fotolia.com

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